14.03.2026, an die ZDF-Chefredaktion
ZDF-Chefredaktion
Frau Bettina Schausten
ZDF-Straße 1
55127 Mainz14.03.2026
Betreff: logo!-Sendung vom 2. März 2026 – Interview mit Armin Laschet zum Krieg gegen Iran
Sehr geehrte Frau Schausten,
am 2. März 2026 beantwortete Armin Laschet in der Kindernachrichtensendung logo! Fragen zum Krieg gegen Iran. Der Moderator Sherif Rizkallah stellte ihn den Kindern als jemanden vor, der sich „mit Iran und der ganzen Situation gut auskennt“. Was folgte, war keine Einordnung. Es war eine Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen, die an keiner Stelle vom Moderator hinterfragt, ergänzt oder korrigiert wurden.
Ein Beispiel: Auf die Frage, ob es Ideen gebe, Frieden zu schließen, antwortete Laschet: „Es gibt Ideen, was passiert, wenn der Krieg zu Ende ist. Dann soll der Iran wieder aufgebaut werden. Dann sollen alle die, die im Moment unterdrückt sind, ein neues, freies Land aufbauen, wo jeder auch nach seiner Vorstellung leben kann.“
Das ist keine Vereinfachung für Kinder. Das ist falsch.
Keine der aktiven Kriegsparteien verfolgt auch nur annähernd dieses Ziel. US-Verteidigungsminister Hegseth erklärte ausdrücklich, die Mission sei „not about regime change“. Präsident Trump hat Nation-Building wiederholt als gescheiterte Politik abgelehnt – 2016, 2025, und erneut zu Beginn dieser Amtszeit. Einen Wiederaufbauplan für den Iran gibt es nicht. Auch Israel verfolgt kein demokratisches Aufbauprogramm. Und Deutschland – das sei am Rande bemerkt – tut ebenfalls nichts, um die Ereignisse in diese Richtung zu lenken.
Experten des Council on Foreign Relations warnen, das wahrscheinlichste Ergebnis eines Regimesturzes sei nicht Demokratie, sondern Staatszerfall. Das hätte der Moderator wissen können. Oder die Redaktion. Oder irgendjemand in der journalistischen Abnahmekette einer Sendung, die sich an Acht- bis Zwölfjährige richtet.
Stattdessen wurden Laschets Aussagen als Sachbeiträge eines Experten präsentiert und ohne jede Einordnung an ein Publikum weitergereicht, das die Qualität dieser Aussagen nicht selbständig überprüfen kann. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was eine öffentlich-rechtliche Kindernachrichtensendung leisten soll.
Zumal in einer Zeit, in der eine politische Debatte darüber geführt wird, Kinder vom Zugang zu sozialen Medien fernzuhalten – mit dem Argument, sie seien unbedarft, leicht formbar und nicht in der Lage, Falschinformationen als solche zu erkennen. Wenn das stimmt: Was unterscheidet dann die ungeprüfte Weitergabe von Wunschdenken als Expertise im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von den Fake News auf TikTok? Der Absender? Die Sendezeit? Die Kulisse?
Sie haben am 13. März dem Fernsehrat einen Maßnahmenkatalog zur Qualitätssicherung vorgestellt. Glaubwürdigkeit sei das „höchste Gut“ des ZDF, sagten Sie. Nur ein paar Tage zuvor lief bei logo! ein Interview, das genau diese Glaubwürdigkeit bei der verletzlichsten Zielgruppe des Senders untergräbt. Nicht durch KI-generiertes Bildmaterial. Sondern durch etwas viel Alltäglicheres: eine Redaktion, die einen Politiker reden lässt, ohne das Gesagte zu prüfen.
Meine Fragen an Sie:
- Wer trägt die redaktionelle Verantwortung für die inhaltliche Abnahme von Interviewbeiträgen bei logo!?
- Welche Prüfung fand vor der Ausstrahlung statt, ob Laschets Aussagen zum Wiederaufbau des Iran einer faktischen Grundlage entsprechen?
- Warum wurde der Moderator nicht angewiesen, zentrale Behauptungen des Interviewgastes einzuordnen – zumal das Publikum aus Kindern besteht, die genau diese Einordnung brauchen?
Ich bitte um eine inhaltliche Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen
Günther Klebinger
14.03.2026, an die Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats
Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats
Frau Gerda Hasselfeldt
ZDF-Straße 1
55127 Mainz14.03.2026
Betreff: Programmbeschwerde – logo!-Sendung vom 2. März 2026, Interview mit Armin Laschet zum Krieg gegen Iran
Sehr geehrte Frau Hasselfeldt,
ich wende mich mit einer Programmbeschwerde an Sie. Gegenstand ist ein Interview in der Kindernachrichtensendung logo! vom 2. März 2026, in dem Armin Laschet Kinderfragen zum Krieg gegen Iran beantwortete.
Herr Laschet wurde den Kindern als Fachmann vorgestellt, der sich „mit Iran und der ganzen Situation gut auskennt“. In seinen Antworten machte er unter anderem folgende Aussage: Nach Kriegsende solle der Iran wieder aufgebaut werden, und die derzeit Unterdrückten sollten „ein neues, freies Land aufbauen, wo jeder auch nach seiner Vorstellung leben kann“.
Diese Aussage ist nicht nur eine Vereinfachung. Sie ist sachlich falsch. Keine Kriegspartei verfolgt ein solches Ziel. Trumps Administration hat Nation-Building explizit als gescheiterte Politik abgelehnt. Verteidigungsminister Hegseth betonte, die Mission sei „not about regime change“. Israel verfolgt kein demokratisches Aufbauprogramm für den Iran. Deutschland auch nicht. Experten warnen übereinstimmend, das wahrscheinlichste Ergebnis eines Regimesturzes sei Staatszerfall, nicht Demokratie.
Der Moderator hat keine von Herrn Laschets Aussagen eingeordnet, hinterfragt oder korrigiert. Die Redaktion hat offenbar keine inhaltliche Prüfung vorgenommen. Was versendet wurde, war eine Abfolge von Wunschvorstellungen, präsentiert als Expertenwissen – an ein Publikum, das zwischen acht und zwölf Jahre alt ist.
Das wirft eine Frage auf, die über diese einzelne Sendung hinausgeht. In der aktuellen politischen Debatte wird darüber diskutiert, Kindern den Zugang zu sozialen Medien zu beschränken oder ganz zu verbieten. Das Argument: Kinder seien unbedarft, leicht formbar und könnten Falschinformationen nicht als solche erkennen. Wenn diese Begründung trägt – und sie hat einiges für sich –, dann müsste die Sorgfaltspflicht im öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen umso höher sein. Stattdessen passiert das Gegenteil: Ein Politiker darf ungeprüft Behauptungen in eine Kindersendung sprechen, die jeder faktischen Grundlage entbehren. Der Unterschied zu den Fake News, vor denen Kinder geschützt werden sollen, erschließt sich mir nicht. Außer vielleicht, dass diese hier mit Studiokulisse und Senderlogo daherkommen.
Ich habe mich mit dem gleichen Anliegen an die ZDF-Chefredaktion gewandt.
Meine Fragen an den Fernsehrat:
- Wie bewertet der Fernsehrat die journalistische Sorgfalt dieser Sendung, insbesondere mit Blick auf die besondere Schutzbedürftigkeit der Zielgruppe?
- Welche Maßnahmen sieht der Fernsehrat vor, um sicherzustellen, dass Interviewgäste in Kindernachrichtensendungen nicht ungeprüft sachlich falsche Behauptungen verbreiten können?
- Sieht der Fernsehrat einen Widerspruch zwischen der Forderung nach Kinderschutz vor Desinformation in sozialen Medien und der redaktionellen Praxis, die in dieser Sendung sichtbar wurde?
Ich bitte um eine inhaltliche Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen
Günther Klebinger
Quellen
- https://www.youtube.com/live/OokotCUFE6o
- https://www.cnn.com/2026/02/28/politics/regime-change-iran-trump
- https://www.military.com/daily-news/2026/03/01/trump-talks-regime-change-iran-after-strikes-history-shows-could-be-very-hard.html
- https://www.cfr.org/articles/trump-should-defang-irans-government-not-destroy-it
- https://www.aljazeera.com/news/2026/3/4/trumps-endgame-in-iran-regime-change-without-us-boots-on-the-ground
- https://www.iranintl.com/en/202603139429
- https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/intensive-aufarbeitung-was-das-zdf-aus-den-fehlern-im-heute-journal-vom-15-februar-lernt
- https://presseportal.zdf.de/pressemappe/logo

